Nicht als erster deutscher Student ist ROBS im Oktober 2011 für ein Jahr nach Israel an die Tel Aviv University gegangen. Aber sicher ist, dass es ein einzigartiges Erlebnis ist, an dem ich die Leser dieses Blogs teilhaben lassen möchte. ABSOLUT ROBS dokumentiert die Vorbereitungen des Aufenthalts und dann natürlich intensiv alles, was in Israel erlebt wird: Land, Leute, Politik, Religion, Küche, Wetter ... Auch Links und eigene Einschätzungen zu aktuellen politischen Themen im Nahen Osten werden hoffentlich nicht zu kurz kommen und so weiter Verständnis für das Leben im Nahen Osten schaffen. ABSOLUT DANKE fürs Lesen, ROBS
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Dudu Aharon,
Milim Pshutot

Wenn heute Abend in Baku der Eurovision Song Contest beginnt, bleibt Israel zum zweiten Mal hintereinander nur die Zuschauerrolle. Dieses Jahr hat es Izabo im Halbfinale erwischt (zugegebenermaßen war der Live-Auftritt um Längen schlechter als die Radio-Version), nachdem letztes Jahr schon Dana International in der Vorrunde rausgeflogen ist. Ausgerechnet die Dana International die Israels letzten Sieg beim Grand Prix einfahren konnte, was auch schon 14 Jahre her ist. Jener Song Contest war übrigens der erste, den ich wirklich verfolgt habe und bei welchem ich wahrscheinlich schon damals mit meinem Bruder unsere eigenen Punkte vergeben habe. Für Deutschland ging damals Guildo Horn an den Start. Mit drei Siegen ist Israel bisher nicht nur erfolgreicher als Deutschland im Song Contest, sondern rangiert sogar an siebter Stelle der erfolgreichsten Teilnehmer. Das letzte und einzige Mal, dass ich die Eurovision im Ausland schauen musste, war 2010. Wer damals gewonnen hat, sollte uns allen noch in Erinnerung sein. Vielleicht ist es ja ein gutes Omen für Roman Lob.

Musikalisch ging es auch am vergangenen Donnerstag zu. In Tel Aviv war Yom HaStudent, der Tag des Studenten. Wir müssen hier wohl echt eine starke Lobbygruppe bilden, denn es fielen nicht nur jegliche Vorlesungen und Seminare aus, die Uni muss es sich auch einiges kosten lassen: Mal vom logistischen Aufwand abgesehen und dass der Campus danach aussah, als hätte sich die Müllabfuhr verfahren, war das ganze Spektakel, das von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts ging, für Studenten absolut kostenlos. Der größte Kostenpunkt müssen aber die Auftritte der (zumindest in Israel) wirklich namhaften Musiker gewesen sein. Und das nicht nur auf einer Bühne, sondern insgesamt waren auf dem ganzen Campus fünf Bühnen mit unterschiedlichen Musikrichtungen aufgebaut. Neben Hadag Nachash, Aviv Geffen und Yehudit Ravitz war mein „Highlight“ aber die Mizrachi-Musik. Zu den bekanntesten Vertretern zählt Dudu Aharon, der sogar mit 17 Objekten in meiner iTunes-Mediathek vertreten ist. Er war also auch beim Yom HaStudent und hat unter anderem das oben abspielbare Lied runtergejault.

Es gab sogar eine eigene Mizrachi-Bühne, wo dann auch sogar arabischsprachige Künstler auftraten (die TAU ist eine linke Uni) und die arabischen Studenten unter uns ihren Spaß geboten bekommen haben. Ich hoffe lediglich, dass ich nicht noch heute enterbt werde, wenn entdeckt wird, dass ich mich unter diese feiernde Meute gemischt habe und damit jeglichen Klagen über arabische Hochzeiten in der IGS Mühlenberg in Hannover zuwider laufe :-)

Mizrachi-Musik (mizrachi heißt östlich) ist im Grunde eine Mischung aus westlicher und nahöstlicher Musik, wird meist auf Hebräisch mit arabischem Einschlag zum Besten gegeben und gehört hier zum Inventar eines jeden Taxis wie in Deutschland der Duftbaum. Andere Namen sind muzika yam tichoni (Mittelmeer-Musik) oder muzika yevanit (griechische Musik). In der Tat erinnern mich die Lieder manchmal sehr an verschiedene Griechenland-Urlaube – damals als man bei Griechenland-Urlauben sicher sein konnte, dass ein Generalstreik die Ferien nicht doch unfreiwillig um zwei Wochen verlängert.

Lior Narkis zeichnet sich besonders in dieser Kategorie aus und hat Israel auch schon mal beim Song Contest 2003 vertreten – wenn ich schon alleine das alte ARD-Logo sehe, wird mir ganz anders! Und wenn man in Griechenlands diesjährigen Beitrag reinhört, dann würde es mich nicht wundern, wenn Israels 12 Punkte dieses Jahr an die Hellenen gehen würden. Falls nicht die zwei Millionen russischen Einwanderer wieder fleißig für die alte Heimat anrufen…

Die letzten Punkte für Deutschland aus Israel gab es übrigens 1999 (als der Contest in Jerusalem stattfand) – und da gleich die vollen 12. Das deutsche Lied damals: „Reise nach Jerusalem“. Der Fremdschämfaktor bei diesem Video ist enorm. Mal davon abgesehen, dass die Show damals technisch ungefähr so umgesetzt war wie heute eine Autohaus-Eröffnung in Bottrop.