Nicht als erster deutscher Student ist ROBS im Oktober 2011 für ein Jahr nach Israel an die Tel Aviv University gegangen. Aber sicher ist, dass es ein einzigartiges Erlebnis ist, an dem ich die Leser dieses Blogs teilhaben lassen möchte. ABSOLUT ROBS dokumentiert die Vorbereitungen des Aufenthalts und dann natürlich intensiv alles, was in Israel erlebt wird: Land, Leute, Politik, Religion, Küche, Wetter ... Auch Links und eigene Einschätzungen zu aktuellen politischen Themen im Nahen Osten werden hoffentlich nicht zu kurz kommen und so weiter Verständnis für das Leben im Nahen Osten schaffen. ABSOLUT DANKE fürs Lesen, ROBS
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An Großereignissen, die nur alle Jubeljahre stattfinden, merkt man immer erst, was alles in den vergangenen Jahren passiert ist. Die Fußball-WM gehört normalerweise dazu und halt eben auch Wahlen. An die letzten US-Präsidentschaftswahlen kann ich mich ziemlich gut erinnern, weil ich vor vier Jahren im November blutjunger Student in Erfurt war, seit gerade einmal einem Monat Einwohner der thüringischen Landeshauptstadt. Bei meinem guten Freund Marco war damals die Wahlparty. Mit Hot Dogs falls ich mich richtig erinnere. Aber das waren noch Zeiten als ich auch noch zehn Hot Dogs in mich stopfen konnte und immer noch ein Grinsen auf dem Gesicht hatte.

Damals wusste ich irgendwie, dass Obama zwar der coolere Hecht ist, aber in meiner damals noch erzkonservativen Welt konnte es keinen besseren als McCain geben. Jaja, vier Jahre…

Heute sehe ich die USA mit anderen Augen. Besonders durch das eine Jahr, in welchem ich tagein tagaus mit US-Amerikanern zu tun habe und zudem noch in einem Land lebe, dass die USA als engsten Partner und Freund bezeichnet.

Viele der Amerikaner, die ich in Israel kennengelernt habe, tendieren eher zu Romney und seinen Republikanern. Ob es ein Zufall ist, dass ich mich mit den wenigen liberalen Demokraten hier deutlich besser verstanden habe? Wer weiß das schon. Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Republikaner radikale Antis sind. Quasi die Grünen der USA. Ideologisch irgendwo in den 1980ern und damit gegen alles und jeden.

Geht es den Republikanern und amerikanischen Israelis wirklich um die beiden wichtigen außenpolitischen Anliegen, Machterhalt und die Gefahr durch den Iran, dann müssten sie ironischerweise ihr Kreuz eher bei Obama machen.

Amerika wird unter Romney wieder wichtig!“ - Nicht wirklich!

Das Lustigste ist, dass die Republikaner alle wollten, dass die Vereinigten Staaten wieder eine Macht werden. China: überbewertet! Russen: immer noch die schlimmsten! Die EU: Ein Bund von teuflischen Sozialisten! Die USA: der fälschlicherweise totgesagte Hort der Freiheit.

Ein Blick darauf, wen die Welt zum nächsten amerikanischen Präsidenten wählen würde, wenn sie könnte, zeigt aber, dass Anti-Amerikanismus nicht wirklich zurückgehen dürfte, wenn es vier Jahre nach Bush wieder ein Republikaner ins Weiße Haus schafft. Die Welt ist heute nicht mehr so einfach beschaffen, dass die USA ihr eigenes Ding machen könnten und einfach Russland, China, Indien und Europa ausblenden können. Um wieder wer zu sein, müssen sie mit diesen Staaten zusammen- statt gegen sie zu arbeiten. Dass das mit Romneys „Wir sind die Größten und Besten!“-Denke schwierig wird, liegt auf der Hand. Obama scheint die Realität schon begriffen zu haben: Die USA müssen einen Teil ihres Kuchens freiwillig abgeben, wenn sie nicht sogar mehr abgenommen haben möchte. Es ist wie bei einem Überfall: Lieber etwas freiwillig rausrücken und nicht erschossen werden als zu sagen: „Du kannst mir nix!“ und erschossen zu werden – und womöglich noch mehr zu verlieren.

Romney packt die Frage des nuklearen Iran endlich an!“ - Nicht wirklich!

Was die israelische Perspektive anbetrifft, ergibt sich ein ähnliches Bild. Angeblich haben 85% der Amerikaner in Israel für Romney gestimmt. Es ist das Mantra, das man hier ständig hört: Obama ist gegen Israel, mit Romney wird die iranische Sache schnell erledigt sein! Mitt Romney ist ein guter persönlicher Freund von Benjamin Netanyahu aus Studientagen und hat sich schon im Wahlkampf früh gegen „die verkackten Araber“ für die amerikanisch-israelische Freundschaft stark gemacht.

Dass ein iranisch-israelischer Krieg unter Romney näher rückt, ist richtig und auch falsch. Wenn so etwas wie Verhandlungsbereitschaft in der Nuklear-Frage auf Seiten Ahmadinejads besteht, dann wohl eher nur mit einer moderateren Regierung unter Obama. Und Israel beteuert ja immer wieder, dass es eine friedliche Lösung möchte. Romney könnte sich zudem vermutlich eher vom redegewandten Netanyahu einen Schlag gegen Iran aufquatschen lassen.

Dass dies dennoch nicht innerhalb des nächsten halben Jahres geschehen würde, liegt aber ebenso auf der Hand. Zum einen: Wer fängt schon gerne eine Amtszeit mit einem Krieg an – zumal wenn man ganz neu im Amt ist? Wie sähe das denn aus, wo doch die Welt George W. Bush noch recht frisch in Erinnerung hat. Zum anderen ein ganz banaler Grund: Romney muss erst noch vom gesamten Sicherheitsapparat gebrieft werden. Das dauert. Obama hingegen ist schon im Amt. Wenn er gewinnt, geht es morgen ganz normal weiter. Er wurde schon von allen Seiten beraten, er könnte schon morgen loslegen. Er muss schließlich auch nicht mehr wiedergewählt werden, aber wenn ein Demokrat (Biden? Clinton?) in vier Jahren wiedergewählt werden soll, dann wäre es besser die Causa Iran jetzt schnell hinter sich zu bringen und möglichst bis in vier Jahren schon wieder vergessen zu machen.

Der letzte wirkliche Post ist nun wirklich schon eine halbe Ewigkeit her, aber ich steckte tief in Arbeit. Nun ja, ich stecke immer noch, aber mittlerweile habe ich jegliches Gefühl in den Fingerkuppen verloren und solch ein kurzer Post für mein Blog ist fast wie eine Entspannungsübung. Gerade heute habe ich einfach mal zwei Paper fertiggestellt. Ich alter over-achiever musste aber natürlich auch noch zwei Kurse mehr machen als nötig. Jetzt stehen noch zwei Paper aus, die ich in Hannover zu Ende schreiben werde. Das Thema meiner Masterarbeit steht leider immer noch nicht fest. Mein Gutachter ist…ein beschäftigter Mann. Mir wurde aber schon gesagt, dass ich wohl israelische Tugenden angenommen habe, weil ich es immer noch nicht mit ihm aufgegeben habe. Daneben sind meine israelischen Tugenden nun auch: möglichst ungünstig auf Fahrradwegen rumgehen, nirgends mehr „Hallo!“ und „Danke!“ zu sagen, aber dafür zu allem – egal ob gut oder schlecht - „ben zona“ sagen…

In den vergangenen zwei Monaten war ich mehrmals den Tränen nahe und daran war noch nicht mal der Iran schuld: Ich hätte niemals vermutet, dass mir das Wetter wirklich derartig „zusetzen“ würde. Welch Wettercocktail sich hier aus hohen Temperaturen und extremer Luftfeuchtigkeit zusammengebraut hat, war echt nicht mehr feierlich. Ich brauchte nur vor die Tür zu gehen und war binnen weniger Minuten klitschnass – nachts. Das schlimmste war, glaube ich, nicht mal das Wetter an sich, sondern die Erwartung, dass einfach keine Linderung in Sicht sein sollte. Wie dem auch sei, heute, 2. September, sind die Tage zwar immer noch sehr warm mit 32 Grad, aber die Abende sind deutlich angenehmer geworden. Mit 25 Grad immer noch wärmer als die Tageshöchsttemperaturen in Hannover, aber doch schon recht kühl für meine Verhältnisse.

Am schlimmsten war es wohl um Mitte Juli herum, gerade als ich wieder Besuch aus Hannover da hatte. Marco hat mich, Israel und sogar die Palästinensischen Gebiete mit seiner Anwesenheit beehrt. Die anderthalb Wochen haben wir grandios verbracht und ich denke, ich konnte Marco das wahre Israel fernab von SPIEGEL-Hetze zeigen. Besonders beeindruckend war für mich unser Ausflug in die Golan-Höhen, auf denen ich ja erst einmal im tiefsten „Winter“ war. Wir konnten die Detonationen aus Syrien hören und mein Hebräisch reichte um mit einem syrischstämmigen Drusen zu reden, der Assad liebte. Unglaublich spannend, das mal nicht aus dem auslandsjournal zu hören, sondern von Angesicht zu Angesicht.

Wo wir gerade schon von Despoten reden. In der Iran-Sache gibt es weiterhin nichts Neues. Es kann jede Stunde losgehen, es kann aber auch genauso sein, dass ich im Februar ohne diese zweifelhafte Erfahrung heimkehren werde. Ich persönlich glaube immer noch an den Oktober zwischen UN-Vollversammlung und US-Wahlen. Andererseits hat sich ja nun auch noch Staatspräsident Shimon Peres gegen einen Schlag ausgesprochen und vervollständigt damit nur noch die Liste prominenter Kriegsgegner in Israel.

Achja, und nebenbei hatte ich auch noch meine Graduations-Zeremonie, die aber eher das Ende der Vorlesungen und des Programms beging, als wirklich die Verleihung jeglicher Würden, da, wie gesagt, noch einige Paper und für mich auch noch die Masterarbeit anstehen.

Viele werden mich nun in wenigen Tagen live und in Farbe sehen, da ich mich am Dienstag für zwei Wochen in die gute alte – und hoffentlich verregnete – Heimat aufmache :-)

Mein erster Beitrag (Klick auf den Titel) für IFAIR (Young Initiative on Foreign Affairs and International Relations e.V.) über die zentralen Debatten ein Jahr vor der Wahl zum israelischen Parlament. Denn neben den Spannungen mit dem Iran und der Hisbollah, stehen auch Themen wie die soziale Schieflage, die Wehrpflichtregelung für Ultraorthodoxe und Araber, und illegale Immigration im Fokus der öffentlichen Diskussion.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Eigentlich hatte ich nicht vor, wieder so kurz nacheinander zu bloggen. Die Medien in Deutschland kolportieren momentan ganz gerne, dass Israel einen „Palästinenser-Führer“ umgebracht hat und sowieso wieder nahezu grundlos Gaza bombardiert und Kinder tötet, die einfach nur zuschauen wollten, wie die Erwachsenen Raketen abfeuern. Egal in welches deutsche Massenmedium ich in diesen Tagen reinlese oder -höre: Überall wird Israel als der böse Aggressor dargestellt. Die Tötung des so nett beschriebenen „Palästinenser-Führers“ war auf Spiegel Online sogar kurzzeitig die erste und oberste Schlagzeile. Dabei handelte es sich schlichtweg um einen Terroristen, der in der Vergangenheit Anschläge geplant hat und nun wieder dabei war. Wohl dem, der so jemanden einen “Palästinenser-Führer” nennt. Und im Moment steht auf SPON, wenn man weit runterscrollt in der Rubrik Politik: „Gewalt in Nahost: Mehrere Tote bei israelischen Angriffen auf Gaza.Das kann man gerne so machen, wenn man sich an einseitiger Propaganda beteiligen will. In gerade einmal zwei der insgesamt 14 Absätze des Artikels wird darauf eingegangen, was die Eskalation antreibt und den Süden Israels lahmlegt und eine Million Zivilisten beeinträchtigt: Der Raketenterror aus Gaza.

Innerhalb von vier Tagen wurden rund 200 Raketen aus Gaza abgefeuert. Bis dahin waren es “gerade einmal” 50 seit Jahresbeginn. Das obige Video von heute zeigt auf bedrückende Weise, in welcher Angst die Bewohner Ashdods, Ashkelons und Beer Shevas zur Zeit leben. 200.000 Schüler haben schulfrei bekommen, weil Unterricht schlichtweg unmöglich ist, wenn in regelmäßigem Abstand die Luftschutzsirenen aufheulen. Menschen verbringen ganze Nächte in ihren gesetzlich vorgeschriebenen privaten Luftschutzbunkern. Und Israel ist also der böse und alleinige Aggressor?

Der einzige Grund, warum noch kein Israeli durch die Raketen umgekommen ist, ist das ausgeklügelte Raketenabwehrsystem Iron Dome. Dieses berechnet in Bruchteilen einer Sekunde die Flugbahn der Qassam- und Grad-Raketen und feuert bei voraussichtlichem Einschlag in bewohntem Gebiet eine „Gegenrakete“ ab und macht die eigentliche Rakete unschädlich. Wie das im Ernstfall aussieht, zeigt wieder einmal Youtube. Das bedeutet aber, dass für den Spiegel und die vielen anderen parteiischen Medien eine Nachricht nur meldenswert ist, wenn es Tote gibt oder noch schlimmer, nur wenn es palästinensische Tote gibt. Beides finde ich bedenklich.

Iron Dome ist auch der Grund, warum sich Israel so wenig wie möglich provozieren lassen möchte und außer gezielten, „chirurgischen Schlägen“ keine Reaktion zeigt. In der Vergangenheit wäre bei ähnlichem Beschuss vermutlich schon mit Bodentruppen in Gaza einmarschiert worden. Davon ist man momentan weit entfernt. Die „Rote Linie“ wird vermutlich erst überschritten, wenn Tel Aviv ins Kreuzfeuer gerät.

Dem Islamischen Jihad, der verantwortlich ist für den Raketenhagel, ist es heute gelungen, zwei Raketen so nördlich wie noch nie einschlagen zu lassen. Tel Aviv ist hiervon nur noch etwa 35 Kilometer Luftlinie entfernt. Wenn ich mir das auf hannöversche Maßstäbe runterbreche, bedeutet das, dass der „Feind“ kurz vor Seesen am Harz säße und mit seinen Raketen Hildesheim erreichen könnte.

Rechnet man nun noch mit ein, dass Gaza mithin als Außenposten des besser gerüsteten Iran im Süden Israels gilt, bedarf es keiner großen Phantasie, um sich vorzustellen, wozu die Terroristen in Gaza in der Lage wären, wenn eine der vielen versuchten Waffenlieferungen aus dem Iran mal doch durchkäme. Aber wie gesagt, Tel Aviv ist eine Rote Linie und wer es angreifen sollte, kann nicht sonderlich auf Gnade hoffen.

Sowieso, dieser Iran. Es scheint ein bisschen so, als wäre der Raketenhagel eine Order aus Teheran um Israel erstmal ein wenig auf andere Gedanken zu bringen und die große Kriegsdiskussion der vergangenen Wochen zu überdecken.

Was außerdem dafür spricht, ist der Umstand, dass die Hamas, die die Kontrolle in Gaza innehat, gerade vor fünf Tagen (also einen Tag bevor der Raketenterror begonnen hat) verkündet hat, dass sie im Kriegsfall den Iran nicht unterstützen würde. Gut vorstellbar also, dass Teheran mit dem Islamischen Jihad und den Raketen wieder mal einen palästinensischen Bruderkampf hervorrufen will um die Machtposition der Hamas in Gaza herauszufordern. Die Hamas ist nämlich in der Zwickmühle: Vor wenigen Wochen noch hat sie einen Pakt mit der im Westjordanland regierenden Fatah geschlossen und nährte die berechtigte Hoffnung, dass sie jetzt ebenfalls einen friedfertigeren Weg des Widerstands gehen würde. Spricht sie sich aber nun öffentlich gegen die Angriffe des Islamischen Jihads aus, würden viele Anhänger des bewaffneten Widerstands verloren gehen. Tut Hamas nichts und lässt den Islamischen Jihad gewähren, stellt sich die Frage, ob Hamas wirklich noch die Kontrolle über Gaza hat. Das Ganze wird auf dem Rücken der Israelis ausgetragen. Aber das wollen die deutschen Medien nicht so gerne sagen, weil die Palästinenser das bessere, medienwirksamere Opfer abgeben.

Menschen schreien, Chaos herrscht und iranische Düsenjäger machen aus kargen israelischen Landstrichen noch kargere Landstriche. In einem Video, das momentan die Runde macht, lebt der israelische Regisseur Ronen Barany seinen feuchten Albtraum aus, wie „der letzte Tag“ aussähe, wenn der Iran tatsächlich Israel angreifen würde. Mal davon abgesehen, dass der Clip durch sein wirres Geschehen und die im wahrsten Sinne des Wortes bombigen Effekte handwerklich und propagandistisch alles andere als schlecht ist, macht er außerdem zwei Sachen deutlich: Erstens ist so ein Krieg vermutlich wirklich nicht so eine feine Sache. In meiner kriegsentfernten Generation herrscht da irgendwie das halb-idyllische Bild vom „gerechten Krieg“ und dass sich da zwei Staaten lediglich im Luftkampf erledigen, während man es doch nicht wagen würde, ganze Landstriche voller Zivilisten umzupflügen. Aber, und das ist für mich die zweite und wichtigere Moral von der Video-Geschicht’: Ein Krieg mit konventionellen Waffen ist immer noch besser als ein Krieg mit Atombomben. Mein legendärer Politik-Lehrer hat es so oft wiederholt: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Genau aus diesem Grund sollte Israel die iranischen Atom-Ambitionen lieber heute als morgen beenden.

Wie lang wollen sich Europa und die USA noch an der Nase herumführen lassen? Manchmal kommt es mir vor, als säßen diese Gremien irgendwo in Wien, Brüssel oder Washington zusammen und sagten sich: „Oh, wie süß, baut Onkel „Adi“ Ahmadinejad sein nukleares Sprengköpfchen, dutzi-dutzi!“ Da platzt mir doch die Kufiya! Merkt mal jemand, dass der Typ irre ist? Vor allem Deutschland, das sich auf die Fahnen groß „Nie wieder!“ geschrieben hat, dreht Däumchen, handelt noch ein bisschen mit den Iranern und tut so, als hätte es vergessen, dass ein einzelner Geistesgestörter ausreicht, um die Welt an den Rand des Abgrunds zu bringen.

Es ist wahrlich eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Israel als Beispiel herhalten muss, wie man andere Staaten so lange hinhalten und täuschen kann, bis man eben die Atombombe hat. Seit Ende der 1950er Jahre hatten die US-Amerikaner die Israelis verdächtigt, an einer Atombombe zu basteln. Und immer kam die Antwort von Israels damaligen Premierminister, David Ben-Gurion: „Wir machen das doch nur für zivile Energiezwecke, weil die Araber uns kein Öl liefern!“ Inspektionstermine wurden mit der Begründung von anstehenden Wahlen immer wieder verschoben, bis Israel erst viele Jahre später um den Sechs-Tage-Krieg 1967 herum seine erste - zugegebenermaßen rudimentäre - Atombombe hatte. Als das dann klar war (wobei es ja bei heute nicht bestätigt ist), haben die USA erstmal massig konventionelle Kriegsmaterial nach Israel geschafft, damit dann immerhin die Atombombe im Fall der Fälle bloß nicht zum Einsatz käme. Der Unterschied zum Iran ist der, dass Israel seine Nuklearwaffen nur als defensives Potential bereithält und nie vorhatte, irgendein anderes Land „von der Landkarte zu streichen.“ Und nur mal nebenbei: Auch Libyen und Syrien hatten mal Atomprogramme, die dann u.a. von Israel ausgeschaltet wurden. Ob die NATO immer noch Jagd auf Gaddafi betrieben hätte, wenn er ein paar bessere Fat Man im Keller gehabt hätte?

Natürlich gibt es Leute, die sagen, der Iran würde sich nie trauen, die Atombombe auf Israel abzuwerfen, weil im Gegenzug die USA zurückschlagen würden und Plutonium- statt Perser-Teppiche das Land überziehen würden. Aber dahinter steht die wahnwitzige Annahme, dass Ahmadinejad etwas am Wohle der Iraner gelegen ist. Was hat er denn wirklich zu verlieren? Er wird sich doch denken: „Was ist schon mein Leben, wenn ich es doch für den Tod von sieben Millionen Juden opfern kann und die Schande namens Israel aus der Weltgeschichte radieren kann?“ Dass dabei auch zigtausende Palästinenser sterben würden: “Nun ja, im Namen der guten Sache lässt es sich eben nicht vermeiden.” Es reichen vermutlich zwei (wenn man die kaum besiedelte Negev-Wüste verschont) bis sieben starke Atombomben, um das Holocaust-Sequel stattfinden zu lassen.

Dann gibt es noch diese Gutmenschen, die sagen, die momentanen Sanktionen treffen unberechtigterweise die iranische Mittelschicht und die kann doch nun wirklich nichts dafür. Meine Güte, dann sollte man die Sanktionen vielleicht doch lieber gegen den Teheraner Hundezüchterverein verhängen, damit es dem Regime auch komplett am Allerwertesten vorbeigeht!? Die Sanktionen sind an und für sich zwecklos. Wenn es stimmt, dass der Iran ein halbes bis ganzes Jahr vom Bau der Bombe entfernt ist, dann werden sie das eine Jahr den Gürtel auch noch enger schnallen können. Und dann bin ich gespannt wie lange die EU noch irgendwelche Sanktionen aufrechterhalten möchte, wenn in Teheran erstmal mit der Plutonium-Schleuder rumhantiert wird.

Alleine schon der Umstand, dass Israel bei einem präventiven Vorgehen in einer besseren strategischen Lage wäre und sozusagen den Takt vorgeben könnte, ist ein gewichtiges Argument lieber zu früh als zu spät reinen Tisch zu machen.