Menschen schreien, Chaos herrscht und iranische Düsenjäger machen aus kargen israelischen Landstrichen noch kargere Landstriche. In einem Video, das momentan die Runde macht, lebt der israelische Regisseur Ronen Barany seinen feuchten Albtraum aus, wie „der letzte Tag“ aussähe, wenn der Iran tatsächlich Israel angreifen würde. Mal davon abgesehen, dass der Clip durch sein wirres Geschehen und die im wahrsten Sinne des Wortes bombigen Effekte handwerklich und propagandistisch alles andere als schlecht ist, macht er außerdem zwei Sachen deutlich: Erstens ist so ein Krieg vermutlich wirklich nicht so eine feine Sache. In meiner kriegsentfernten Generation herrscht da irgendwie das halb-idyllische Bild vom „gerechten Krieg“ und dass sich da zwei Staaten lediglich im Luftkampf erledigen, während man es doch nicht wagen würde, ganze Landstriche voller Zivilisten umzupflügen. Aber, und das ist für mich die zweite und wichtigere Moral von der Video-Geschicht’: Ein Krieg mit konventionellen Waffen ist immer noch besser als ein Krieg mit Atombomben. Mein legendärer Politik-Lehrer hat es so oft wiederholt: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Genau aus diesem Grund sollte Israel die iranischen Atom-Ambitionen lieber heute als morgen beenden.
Wie lang wollen sich Europa und die USA noch an der Nase herumführen lassen? Manchmal kommt es mir vor, als säßen diese Gremien irgendwo in Wien, Brüssel oder Washington zusammen und sagten sich: „Oh, wie süß, baut Onkel „Adi“ Ahmadinejad sein nukleares Sprengköpfchen, dutzi-dutzi!“ Da platzt mir doch die Kufiya! Merkt mal jemand, dass der Typ irre ist? Vor allem Deutschland, das sich auf die Fahnen groß „Nie wieder!“ geschrieben hat, dreht Däumchen, handelt noch ein bisschen mit den Iranern und tut so, als hätte es vergessen, dass ein einzelner Geistesgestörter ausreicht, um die Welt an den Rand des Abgrunds zu bringen.
Es ist wahrlich eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Israel als Beispiel herhalten muss, wie man andere Staaten so lange hinhalten und täuschen kann, bis man eben die Atombombe hat. Seit Ende der 1950er Jahre hatten die US-Amerikaner die Israelis verdächtigt, an einer Atombombe zu basteln. Und immer kam die Antwort von Israels damaligen Premierminister, David Ben-Gurion: „Wir machen das doch nur für zivile Energiezwecke, weil die Araber uns kein Öl liefern!“ Inspektionstermine wurden mit der Begründung von anstehenden Wahlen immer wieder verschoben, bis Israel erst viele Jahre später um den Sechs-Tage-Krieg 1967 herum seine erste - zugegebenermaßen rudimentäre - Atombombe hatte. Als das dann klar war (wobei es ja bei heute nicht bestätigt ist), haben die USA erstmal massig konventionelle Kriegsmaterial nach Israel geschafft, damit dann immerhin die Atombombe im Fall der Fälle bloß nicht zum Einsatz käme. Der Unterschied zum Iran ist der, dass Israel seine Nuklearwaffen nur als defensives Potential bereithält und nie vorhatte, irgendein anderes Land „von der Landkarte zu streichen.“ Und nur mal nebenbei: Auch Libyen und Syrien hatten mal Atomprogramme, die dann u.a. von Israel ausgeschaltet wurden. Ob die NATO immer noch Jagd auf Gaddafi betrieben hätte, wenn er ein paar bessere Fat Man im Keller gehabt hätte?
Natürlich gibt es Leute, die sagen, der Iran würde sich nie trauen, die Atombombe auf Israel abzuwerfen, weil im Gegenzug die USA zurückschlagen würden und Plutonium- statt Perser-Teppiche das Land überziehen würden. Aber dahinter steht die wahnwitzige Annahme, dass Ahmadinejad etwas am Wohle der Iraner gelegen ist. Was hat er denn wirklich zu
verlieren? Er wird sich doch denken: „Was ist schon mein Leben, wenn ich es doch für den Tod von sieben Millionen Juden opfern kann und die Schande namens Israel aus der Weltgeschichte radieren kann?“ Dass dabei auch zigtausende Palästinenser sterben würden: “Nun ja, im Namen der guten Sache lässt es sich eben nicht vermeiden.” Es reichen vermutlich zwei (wenn man die kaum besiedelte Negev-Wüste verschont) bis sieben starke Atombomben, um das Holocaust-Sequel stattfinden zu lassen.
Dann gibt es noch diese Gutmenschen, die sagen, die momentanen Sanktionen treffen unberechtigterweise die iranische Mittelschicht und die kann doch nun wirklich nichts dafür. Meine Güte, dann sollte man die Sanktionen vielleicht doch lieber gegen den Teheraner Hundezüchterverein verhängen, damit es dem Regime auch komplett am Allerwertesten vorbeigeht!? Die Sanktionen sind an und für sich zwecklos. Wenn es stimmt, dass der Iran ein halbes bis ganzes Jahr vom Bau der Bombe entfernt ist, dann werden sie das eine Jahr den Gürtel auch noch enger schnallen können. Und dann bin ich gespannt wie lange die EU noch irgendwelche Sanktionen aufrechterhalten möchte, wenn in Teheran erstmal mit der Plutonium-Schleuder rumhantiert wird.
Alleine schon der Umstand, dass Israel bei einem präventiven Vorgehen in einer besseren strategischen Lage wäre und sozusagen den Takt vorgeben könnte, ist ein gewichtiges Argument lieber zu früh als zu spät reinen Tisch zu machen.